Dann Deine einzigartige Verkörperung des Lehrers: der Prediger, der Professor, der Begleiter, der Inspirator und der treu-kreative Schüler (nicht nur) Deines Lehrers Raymund Schwager. Deine Begeisterung, die noch im scheinbar abgestandenen dogmatischen Stoff das Drama von Mensch und Gott zu entschlüsseln vermag, erzählen alle, die dich hörten. Du hast die mimetische Theorie, die Du in der Rezeption Deines Freundes Raymund Schwager dramatisch weitergeführt hast, von ihren Neigungen zum Jansenismus wohltuend befreit. Mit „Jansenismus“ meine ich jenes fatale Gemisch aus Moralisierung und doktrinärer Engführung, die das neuzeitliche Christentum zutiefst gerade im deutschen Sprachraum geprägt hat. Dabei schließt Du die Augen vor den Abgründen, Katastrophen und Ambivalenzen der Menschen und unserer Zeit nicht. Doch Dein Blick ist zunächst analytisch-aufklärend und dann zusprechend ermutigend und heilend, weil auch für Dich die Gnade allem unserem Tun und Sein vorausgeht. Durch Dich habe ich den Schnapspriester aus Graham Greenes („The power and the glory“) erst richtig zu sehen gelernt. Du wirst nicht müde, vor der fatalen Logik der Skandalisierung zu warnen. Wie wichtig Dein Wort in diesen Zeiten ist, finde ich in jener Alternative, mit der Du Deinen Aufsatz über diesen Roman abschließt: „Die Kirche verdankt sich einer anderen Logik; sie schöpft ihre Lebensenergie nicht aus der Lust am Scheitern und Skandal. Sie weiß sich getragen von Gott, dem ‚Liebhaber des Lebens‘. Deswegen kann sie mit der Erfahrung der Schuld leben. So wird sie wohl auch solange existieren, solange es Menschen gibt. Dafür bürgen die Menschen mit ihrer Schulderfahrung, vor allem aber Gott selbst mit seiner Gnade.“[1] |