Alle bisherigen Kulturen und Gesellschaften - sei es in Europa, Afrika oder Asien - ruhten zentral auf der Institution Familie. Diese in Frage zu stellen hat Folgen, die heute wohl niemand absehen kann. Drängt sich in dieser Situation für ein verantwortungsbewusstes Handeln nicht auf, mindestens mit großer Vorsicht und Zurückhaltung voranzugehen? Und dies dürfte besonders für eine Gesellschaft gelten, die auf eine massive Überalterung zugeht und der ein echter Lebenswille zu fehlen scheint. Passt zu ihr nicht bestens eine Tristesse, die man durch künstlichen und chemisch aufgepulverten Spaß zu überdecken sucht und die - wie jetzt selbst 'Die Zeit' schreibt - einem 'Land von Egoisten', die keine Kinder mehr wollen, entspricht. Aus dieser Sicht wäre es wenigstens originell, sich darüber zu amüsieren, dass es einem Mann wie Ratzinger noch gelingt, eine dekadente Zivilisation zu ärgern, - und daraus vielleicht sogar einen gewissen Respekt zu gewinnen. Während die meisten Nonkonformisten längst zur Masse der Konformisten geworden sind, ist der Vatikan wenigstens noch ein echter Nonkonformist: Er beugt sich nicht dem Geschrei der Medien.
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