Wer hätte das geahnt, dass eine Schülerin aus dem Kirschendorf Vorarlbergs, ein Mädchen aus Fraxern, das in der 1. Klasse Volksschule sich mit dem Lesen verdammt schwer tat, einmal „sub auspiciis" promovieren wird? Der Liegegips half da mit und auch der jüngere - noch nicht eingeschulte - Bruder, der schon damals einen „Sprachwissenschaftler" abgab. Und natürlich auch der Rest der Familie. Noch ein Bruder, der Vater: Volksschullehrer und Schuldirektor, die Mutter, gelernte Sekretärin, die daheim blieb, Oma, die bettlägerig und pflegebedürftig war. „Bin behütet aufgewachsen" - wird sie später sagen. Nach der Hauptschule in Klaus - aus der auch ein zweiter Promovent des Tages: Martin Gächter kommt, geht sie ans Oberstufengymnasium in Götzis. Wo das Lernen immer lustvoller wird. Wo ihr aber auch eines der größten Schocks ihres bisherigen Lebens widerfährt. In der 7. Klasse verunglückt eine besonders begabte Mitschülerin; das emphatische Vertrauen: „wir können die Welt verändern" bekommt gewaltige Kratzer. „Es sind nicht wir die Entscheidendes machen!" Meisterhaft begleitet der Klassenvorstand Dr. Margit Hofer die Schulklasse durch die Krise; rückblickend weiß Karin die Pädagogin, ihr menschliches Einfühlungsvermögen, ihre dezente und doch bestimmte Religiosität und ihr politisches Gespür zu schätzen: „Täglich lernten wir Nachrichten zu hören und zu lesen und über Tagespolitisches Geschehen zu diskutieren". Karin entdeckt die civil society, engagiert sich in der Jungschar, in der Pfarre, im Dekanat und will auch beruflich das Leben der Kinder mitgestalten. Deswgen geht sie nach der Matura an die Pädagogische Akademie in Feldkirch, absolviert die Volksschullehrerinnenausbildung (lernt gar das Handwerkarbeiten). Dort treten mehrere Frauen in ihr Lebenshorizont, Frauen, die etwas bewegen, fest im Glauben verwurzelte „burnig persons" mit Hildegard Lorenz an der Spitze. Das war der Grund doch mit dem Theologiestudium zu beginnen: „Eine der besten Entscheidungen meines Lebens" - wie sie später sagen. |