Die verbreitete Rede von der aktuellen Krise der Männer verschleiert, dass Männlichkeit in männlich hegemonialen Kulturen und Gesellschaften grundsätzlich ein fragiles und krisenhaftes Konstrukt ist. Die von Männer- und Väterrechtlern mit misogynen Schuldzuweisungen erhobenen Klagen über die „Krise der Männer“, die „benachteiligten Jungen“ und die „entsorgten Väter“ sind eine rückwärtsgewandte Reaktion auf die marktradikale Verschärfung des gesellschaftlichen Krisengeländes. Ihr essentialistisches Bild vom zu befreienden „männlichen Wesen“ macht die ohnehin fatale, in eine mit Hass aufgeladene Spirale von Inklusion und Exklusion einmündende Problematik einer affirmativen Verwendung des Identitäts-Begriffs in besonderer Weise deutlich.
Kurzbiographie:
Rolf Pohl ist Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover.
Schwerpunkte: Geschlechterforschung (Männlichkeit, sexuelle Gewalt, männliche Adoleszenz) und Politische Psychologie (NS-Täter, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit).