Bibliotheken sind Zentren des Austauschs, der kreativen Entfaltung und Information. Der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol kommen viele Aufgaben zu, eine wesentliche ist die Wissensvermittlung. Die Abteilung für Aus- und Weiterbildung bildet Nachwuchs-Bibliothekar:innen aus, versorgt Kolleg:innen mit einschlägigen Weiterbildungen und bietet Kurse für ein Fachpublikum aus dem In- und Ausland. Im vergangenen Wintersemester wurde unter anderem der Universitätskurs Nachlässe und Sondersammlungen angeboten, der sich sowohl an Mitarbeiter:innen wissenschaftlicher Bibliotheken, Archive und Informationseinrichtungen als auch Forschende und die interessierte Öffentlichkeit richtete und auch in Zukunft angeboten werden soll.
Verschränkung von Bibliothek und Archiv
Spannend ist, dass die beiden „Mikrokosmen“ Bibliothek und Archiv gewissermaßen eine Verschränkung eingehen, wenn man bedenkt, dass sich in Bibliotheken oft Sammlungen und Nachlässe befinden, deren Erschließung archivarische Kenntnisse unabdingbar machen. Der Universitätskurs ist daher so konzipiert, dass die Teilnehmenden die wichtigsten Werkzeuge zur Erschließung dieser besonderen Bestände an die Hand bekommen und im Rahmen von Exkursionen einen Einblick in die Arbeitsweise und die besonderen Gegebenheiten unterschiedlicher Institutionen erhalten.
Den theoretischen Einstieg bilden Einblicke in die historische Entwicklung von universitären Sammlungen im deutschsprachigen Raum, das Kennenlernen einheitlicher Standards im Sammlungsmanagement sowie eine Herangehensweise, die Althergebrachtes mit der Moderne verbindet, schließlich muss der Blick auch immer Richtung Erhaltung resp. Archivierung gehen.
Herausforderungen bei Erschließung, Nutzung und Erhaltung
Weiter diskutiert der Kurs Langzeitarchivierungsmöglichkeiten und Repositorien und unterzieht die bereits bestehenden Varianten einem kritischen Blick. Vernetzung und Nutzbarmachen für die Forschung spielen dabei eine zentrale Rolle. Das geht vom Webseitenauftritt bis hin zu Datenbanken und der virtuellen Zusammenführung von (verstreuten) Beständen.
Dabei kann es je nach Beschaffenheit oder Art der „Sondersammlung“ – dazu gehören z.B. botanische, anatomische und geologische Sammlungen – durchaus schwierig sein, diese der Nutzung zuzuführen und/oder sie zu erhalten. Oft liegen die Besitzverhältnisse im Dunkeln oder es gibt hohe Nutzungsauflagen, die eine Bereitstellung erschweren. Zum Teil hat man es mit sensiblen Objekten (vielleicht sogar unikalen Beständen) zu tun. Dann bedarf es fundierter Kenntnisse, was Lagerung und Erhaltung anbelangt.
Digitale Archivierung, rechtliche Aspekte und strategisches Management
Auch rechtliche Aspekte wollen bedacht werden. Allerdings können andere Auflagen die Nutzung einschränken, wie z. B. Wünsche der Nachlassgeber:innen an die verwahrende Institution. Diese tut gut daran, eine Sammlungsstrategie (Kriterienkatalog) zu verfolgen, die nicht nur die Aufnahme und Lagerung von Sammlungen erleichtert, sondern auch ggfs. eine Deakzession von Beständen oder Teilen davon ermöglicht.
In der Lehrveranstaltung Nachlassverwaltung und -erschließung lernen die Studierenden das Regelwerk RDA (Ressource Description and Access) – eine Richtlinie zur Beschreibung von Ressourcen – kennen. Hierbei liegt das Augenmerk auf der Bewahrung der Entstehungs- und Herkunftsgeschichte der Materialien (Provenienz). Die RDA ist zudem ein essentielles Tool zur digitalen Erschließung von Nachlässen und Sammlungen.
Im Kurs erarbeiten die Teilnehmenden Konzepte für den Aufbau eines Archivs und erhalten Tipps aus der Praxis, von den ersten Gesprächen mit potentiellen Nachlassgeber:innen bis zur Akquise. Sondersammlungen an Bibliotheken stellen eine unverzichtbare Ressource der Wissenschaft dar und sind integraler Teil unseres kulturellen Erbes.
(Jennifer Moritz/red)