Historische Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck

Im Jahre 2008 wurde der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol die rund 29.000 Bände umfassende „Historische Bibliothek“ des Innsbrucker Servitenkonvents als unbefristete Dauerleihgabe übergeben. Diese beeindruckt nicht nur hinsichtlich ihres zahlenmäßigen Umfangs, sondern ebenso durch die Vielzahl der in ihr vertretenen Wissensgebiete mit qualitativ herausragenden Werken.

Mit der 1611 erfolgten Stiftung des Innsbrucker Servitenkonvents durch Anna Katharina Gonzaga (1566–1621), der zweiten Gemahlin des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II., war auch der Aufbau einer hauseigenen Bibliothek verbunden. Die schon zu Beginn recht ansehnliche Büchersammlung erfuhr insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert infolge umfangreicher Legate prominenter Tiroler Persönlichkeiten – u. a. durch den Hofkammerpräsidenten Franz von Carrara († 1639), dem Historiker Fr. Augustin M. Romer aus dem Servitenorden (1618–1669), Dekan Johann Faschinger († 1664) aus Hallein sowie durch Graf Sigmund und Graf Ignaz von Wolkenstein – sowohl qualitativ als auch quantitativ beachtliche Bestandszuwächse. Dies erklärt den neben dem Bestand an 11.000 Bänden aus dem Wissensgebiet der Theologie und Philosophie sehr hohen Anteil an nichttheologischem Schrifttum. Umfangreichere Bestandszuwächse erlebte die Servitenbibliothek im Zuge der Klosteraufhebungen in Tirol in der Zeit Josephs II. Eine letzte beachtliche Bestandsvermehrung erfolgte schließlich mit der Übernahme der Bücher aus der 1971 aufgelösten Ordensniederlassung der Serviten in Rattenberg (die Rattenberger Bibliothek befindet sich seit 2012 in der Diözesanbibliothek Salzburg). In der Sammlung besonders hervorzuheben ist ein bemerkenswerter Bestand von rund 500 Handschriften (15.–19. Jh.) sowie die große Anzahl von fast 200 wertvollen Inkunabeln und Frühdrucken.

Bestandsrecherche

Einen Bestandsüberblick bietet Franz M. Weiß OSM: Innsbruck, Bibliothek des Servitenklosters. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich 4. Hildesheim 1997, 153-157.

Der Gesamtkatalog der Innsbrucker Servitenbibliothek liegt in digitaler Form vor.

Ein Überblick über den mittelalterlichen Handschriftenbestand ist über manuscripta.at möglich.

Die Handschriften wurden im Zuge der Mikroverfilmung durch die Hill Museum & Manuscript Library kurz beschrieben.

Handschriftencensus – Bestandsaufnahme der handschriftlichen Überlieferung deutschsprachiger Texte des Mittelalters.

Die Inkunabeln sind über den Inkunabelzensus Österreich recherchierbar.

Projekte

  • Abgeschlossen: Stefanie Burkhardt: Die Erschließung der Inkunabeln des Innsbrucker Servitenkonvents an der ULB Tirol unter besonderer Berücksichtigung der juristischen Werke. Innsbruck 2012 (Masterthese: Universitätslehrgang Library and Information Studies MSc).
     
  • Laufend: Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck an der ULB Tirol (Projektleitung: Univ.-Ass. Dr. Lav Šubarić, Institut für Sprachen und Literaturen, Abteilung Latinistik).  Weitere Informationen
  • Vgl. Eleonore De Felip, Lav Šubarić: Zwischenbericht zum Projekt Katalog der Handschriften des Innsbrucker Servitenklosters. Handschriften des 15. und 16. Jahrhunderts, Biblos 58/1 (2009) 117–126.
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